Historischer Teil über Carl Weyprecht und die
Expedition von 1872-1874

Leihgeber:

·        Heeresgeschichtliches Museum, Wien (HGM )

·        Österreichisches Staatsarchiv, Wien

·        Akademie der Wissenschaften, Wien

·        Historisches Museum, Frankfurt

·        Nachkommen von Carl Weyprecht:
Familien Heinemann und Kolb

 

Neben zahlreichen Exponaten aus dem Heeresgeschichtlichem Museum in Wien finden wir die Nachbildung des Expeditionsschiffes „Tegetthoff“. Aus dem Staatsarchiv werden das Schiffstagebuch  und das persönliche Tagebuch von Carl Weyprecht gezeigt.

Erstmalig ausgestellt wird als Leihgabe der Akademie der Wissenschaften die „Flaschenpost“ von Carl Weyprecht, die nach 104 Jahren im Jahre 1978 auf der Insel Lamont von einem russischen Forscher gefunden wurde.

Ergänzt wird die Ausstellung mit persönlichen Erinnerungsstücken Carl Weyprechts und seiner Familie.

Hauptaugenmerk findet jedoch die Nordpolexpedition von 1872-1874, die Weyprecht im Auftrag der österreichisch-ungarischen Regierung unternahm und bei der Franz-Josef-Land, der bis dahin letzte weiße Fleck auf allen Karten der Welt, entdeckt wurde.

Aber Carl Weyprecht war ja nicht nur Entdecker, zu dem er unfreiwilligerweise wurde, sondern mehr noch Wissenschaftler.

Auszug aus einem Nachruf in der Michelstädter Zeitung am 31. März 1911:

„....die Polarreisen, so habe Weyprecht bei einem Vortrag bei der Naturforscherversammlung in Graz gesagt, sollten in den Dienst der physikalischen Forschung treten, da sie der Opfer an Gut und Blut nicht wert seien, so lange sie nur den Zweck hätten, geografische Neugierde oder nationale Eitelkeit zu befriedigen.“

Seine Arbeit über die „Metamorphosen des Eises“ (1879) findet sich als Originalausgabe in der Ausstellung, wie auch viele weitere Bilder und Zeichnungen seiner Forschungsreisen. Weyprechts Forschungen erstreckten sich auf die Geografie, Geologie, Ozeanografie, Klimatologie, Biologie, Astronomie und andere Wissenschaftsgebiete.
Sein Ziel war der „...Aufbau einer gut organisierten, durch internationale Zusammenarbeit intensivierte natur-wissenschaftliche Erforschung beider Pole“
(HGM, 1995).  

Ein Jahr nach Carl Weyprechts Tod fand das von ihm initiierte erste Internationale Polarjahr statt. Die „Deutsche Gesellschaft für Polarforschung“ verleiht die Weyprecht- Medaille an verdiente Polarwissenschaftler. Eine Medaille, die selbstverständlich in der Ausstellung nicht fehlen wird. 

Zahlreiche Nachrufe dokumentieren die hohe Anerkennung die Weyprecht als Mensch und als Forscher bei seinen Zeitgenossen besaß.

Videopräsentation: Dr. Heidi v. Leszczynski, die selbst an einer Fahrt nach Franz-Josef-Land teilgenommen hatte, liest aus dem Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ von Christoph Ransmayr, Fischer Verlag, Frankfurt, 1987.

 ... Die Segel sind vom kalten Regen schwer. Manchmal fällt Schnee in nassen, großen Flocken. Unter den tiefziehenden Wolken bleibt der Unterschied zwischen Tag und Nacht aus, der Horizont verschwimmt in Nebelfetzen und einer grauen, endlosen Helligkeit. Die Tegetthoff stampft durchs Meer, das grob und gewalttätig wird. So waren die Sturzseen noch nie. Die Brecher , die auf den Barkschoner zurollen, machen jede Deckwache zur Qual. Die Tiroler Jäger werden abwechselnd seekrank und können sich kaum mehr auf den Beinen halten; sie pflegen sich gegenseitig und sprechen einander Mut zu. "Das Küstenwasser von Nowaja Semlja wird ruhiger sein; schöne Berge werden wir sehen." So hat es der Oberlieutnant Payer versprochen. Als die Wellenberge dann endlich flacher werden und der Wind die Kämme und Grate nicht mehr zerreißt, zieht eine Kälte auf, in der die Takelage erstarrt, die Rahen und Masten, das Netzwerk der Wanten – ein perlmuttschimmerndes Segelgerüst, ein Kunstwerk aus Eis, von dem auch im sanfteren Seegang und in den Böen gläserne Zapfen losbrechen und auf den Deckplanken zersplittern. Das Klirren macht die Hunde toll....“