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Carl Weyprecht (1832-1881)
Es liegen zur Zeit keine aktuellen Termine vor.
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Zwei Jahre lang Strapazen ertragen
Artikel in der Giessener Allgemeinen Zeitung vom 8. und 22.1.2005
Text: Dr. Aide Rehbaum
Texteinschub 1
Am 23. Juli 1865 lernte er während seines Urlaubs bei einer Sitzung des
"Geographischen Vereins" in Frankfurt den deutschen Geographen August
Petermann kennen. Petermann hatte als Royal Geographer an der Quelle
aller eingehenden Meldungen gesessen und wurde dann als Leiter der
Geographischen Anstalt von J. Perthes in Gotha bis 1878 zum Förderer
vieler Unternehmungen.13
Petermann gab 1865 in Frankfurt zu bedenken, "dass wir seit Jahrzehnten
unsere Entdeckungsreisenden, als Regel Einer nach dem Anderen, in dem
Innern der gefahrvollsten Continente, ganz besonders in Afrika,
hinmorden lassen, sei es von den fanatischen Einwohnern, sei es von dem
tödtlichen Klima, während dergleichen Gefahren und Opfer bei arktischen
Expeditionen höchstens nur als seltene Ausnahme vorkommen."14 Weyprecht
hatte sich bereit erklärt, mit 3000 Gulden oder 2000 Thalern eine
Expedition auszustatten und zu führen.15 Als erstes Ziel umriss
Petermann, von Tromsö oder Hammerfest aus fünf Monate zwischen
Spitzbergen und Novaja Semlja zu kreuzen.
Aus dieser Zeit hat sich ein Brief erhalten, in dem Carl die Bedenken
seiner Eltern zerstreuen will: "Nun zu einem anderen Kapitel. Daß Ihr
mein Projekt, an der deutschen Nordfahrt theil zu nehmen, mit nicht sehr
günstigen Augen anseht, dachte ich mir. Ich versichere Euch, theuerste
Eltern, es war dies der einzige Grund, warum ich nicht schon einen Monat
früher Herrn Dr. Petermann meine Vorschläge machte.." Er rechtfertigt,
dass es kein Strohfeuer der Begeisterung ist, denn er hätte sich schon
länger mit dem Gedanken getragen und viel dazu gelesen. Außerdem plant
er noch zwei bis drei Monate an der Sternwarte Triest dafür lernen. So
eine Expedition sei nicht gefährlicher als ein Krieg mit Italien. "Du
meinst, theuerster Vater, meine Theilnahme könne mir in meinem
Fortkommen schaden. Dieß auf keinen Fall. Ich glaube Disponibilität
erlangen zu können und bleibe auf diese Art voll im österreichischen
Dienst, beziehe sogar, mit Rücklassung eines Zehntels meine Gage bis zum
Eintreffen weiter." Eine Beförderung kann er nicht vor Ablauf von fünf
bis sechs Jahren erwarten. Bis dahin ist er längst zurück. Eine
ärztliche Untersuchung scheint ihn auch für tauglich erklärt zu haben.
"Es tut mir leid, lieber Vater, dass du überhaupt glaubst, ich könnte
dir den Vorwurf machen, als sprächst du von der ganzen Expedition wie
ein Blinder von der Farbe. Weit entfernt hiervon vertraue ich soviel auf
dein Urteil, dass ich bereit bin, gegen meinen innigen Wunsch
zurückzutreten, wenn dein Widerwille durch alles eben Gesagte nicht
behoben werden kann."16
Ausgerechnet ein Krieg mit Italien verhinderte fürs erste das
Unternehmen. 1866 kämpfte die österreichische Flotte bestehend aus
sieben Panzern, sieben Holzschiffen à 35 Geschützen und sieben kleinen
Kanonenbooten gegen vierzehn Panzerfregatten, zehn bis zwölf
Holzfregatten mit 40-54 Geschützen bei der Insel Lissa (Vis) südwestlich
von Split in der Adria. Weyprecht war der jüngste Offizier an Bord der
Panzerfregatte "Drache". Er beschreibt in einem Brief die Ereignisse:
"Baron Moll, (sein Kapitän an der Reeling) litt seit zwei Tagen an einer
starken Augenentzündung und sah fast nichts. Einen Moment, ehe ihn die
verhängnisvolle Kugel erreichte, nahm er das Glas vor die Augen und
sagte mir: "Weyprecht, Sie müssen die Augen heute doppelt öffnen, ich
sehe gar nichts." Ich bückte mich übers Sprachrohr, gab ein Kommando in
die Batterie und fand mich, als ich mich aufrichtete, von oben bis unten
mit Blut und Gehirn bespritzt. Sein kopfloser Leichnam lag mir zu
Füßen..". Bis der dienstälteste Offizier das Kommando übernahm, führte
Weyprecht mit größter Ruhe und Umsicht das Schiff. Dafür bekam er den
Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit Kriegsdekoration. (Abb. 2) Vom
Recht auf Erhebung in den Ritterstand machte er keinen Gebrauch. 17
Später versah er seinen Dienst auf dem Raddampfer "Elisabeth" in
mexikanischen Gewässern zur Verfügung Kaiser Maximilians, dessen
Untergang er deutlich voraussah. Die Einstellung der Zinszahlungen für
die mexikanischen Auslands-schulden hatte zur Invasion der betroffenen
Gläubigerstaaten Großbritannien, Spanien und Frankreich geführt. Während
sich die ersten beiden nach einem Abkommen zurückgezogen hatten,
eroberten die Franzosen weiter und besetzten die Hauptstadt. Die von
ihnen einberufene Versammlung hatte 1864 die Monarchie ausgerufen und
auf Betreiben Napoleons III. die Kaiserkrone dem Bruder des
österreichischen Kaisers angeboten. Als die USA den Rückzug der
Franzosen erzwang, hatte der Kaiser keinerlei Rückhalt im Volk und
Schutz mehr, denn unter seinen Untertanen hatte er sich die
Ultrakonservativen und die Kirche in kurzer Zeit zu Gegnern gemacht.
Beim Neujahrsempfang 1867 beobachtete Weyprecht, wie armselig es bereits
zuging." Ein Husar bereitet die Fleischspeisen, die Frau eines
Kammerdieners die Mehlspeisen; Koch ist keiner mehr da, der Hof liegt
überhaupt in den letzten Zügen...Die Umgebung des Kaisers besteht aus
zwei Pfaffen... ferner dem früheren österreichischen Schiffsleutnant,
einem Doktor und einem Haushofmeister."18. Vom Hof war abgezogen, wer
konnte, die österreichische Legion von Franzosen eskortiert auf dem
Rückweg nach Europa. Einige Soldaten bildeten ein neues Regiment und
dienten in der national-mexikanischen Armee, um aufgehängt zu werden,
sobald der Kaiser weg war. Geld war schon länger keines mehr da. Auf Weyprechts Schiff war das kaiserliche Tafelservice und Silber im Wert
von 150.000 Talern in 31 Kisten verstaut. Er schreibt am 22. Mai 1867:
"Man darf sich nicht der Illusion hingeben, als schütze ihn (Maximilian)
seine hohe Abkunft und Stellung, vor einem derartigen Schicksal (vom
Kriegsgericht erschossen zu werden), eher noch tut es die gütliche
Intervention der Amerikaner zu seinen Gunsten, obwohl auch diese, wie
viele behaupten, ihm eher geschadet als genützt haben soll, da man hier
unter keiner Bedingung eine fremde Einmischung in die inneren
Verhältnisse dulden will."19 Der Kaiser weigerte sich, mit den Franzosen
das Land zu verlassen und als Gescheiterter nach Europa zurückzukehren.
Untätig mussten die Österreicher ein Jahr lang in mexikanischen
Gewässern kreuzen, ob der Kaiser sich nicht vielleicht doch noch retten
wollte. Weyprecht nutzte das Warten für astronomische und
meteorologische Studien. Als die "Elisabeth" im Hafen von Vera Cruz von
Republikanern blockiert wurde, gingen ihr die Lebensmittel aus. Das von
Weyprecht befehligte Boot, das Nachschub heranschaffen sollte, geriet in
einen bedrohlichen Sturm. Der einzige Ausweg war die absichtliche
Strandung. Nach sechs Tagen brachten Matrosen Hilfe, aber Weyprecht, der
bei den Trümmern und den Vorräten ausgeharrt hatte, musste anschließend
mit Malaria für Monate ins Krankenhaus nach Havanna.20
Nach dieser Episode ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum
Linienschiffsleutnant. Da seine geographischen Interessen inzwischen
bekannt waren, wurde er Mitglied der Kommission zur Küstenaufnahme
Dalmatiens unter Baron Oesterreicher. Die entstandenen Karten waren
zumindest vor dem Ersten Weltkrieg noch vorhanden. Sein nächster Auftrag
führte ihn Dezember 1870 in Begleitung der Astronomen Gebrüder Weiss und
Prof. Oppolzer nach Tunis, um eine totale Sonnenfinsternis besser zu
verfolgen. Bei dieser Gelegenheit erlitt er vermutlich einen
Sonnenstich, an dessen Folgen er noch länger zu leiden hatte. Hitze
konnte er fortan überhaupt nicht mehr vertragen. Den Posten bei der
ersten deutschen Nordpolar-Expedition, den ihm August Petermann wieder
angeboten hatte, musste er aus gesundheitlichen Gründen Karl Koldewey
überlassen. Er sollte aber noch eine Chance erhalten.
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© 2006-2009 Carl Weyprecht Ausstellung
Letzte Änderung: 13.09.2009 Webmaster: Dr. Dieter Heimer | |
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